Ausbildung ist mehr als Streicheln
Tierheim Surwold gibt zurzeit 140 Tieren ein Zuhause – Neues Hundehaus

Bildunterschrift: Auszubildender Florian Rautenberg kümmert sich um das Schicksal des misshandelten Schäferhundrüden Vitus. Im Hintergrund steht der begonnene Neubau des Hundehauses.

Surwold (bell) – Der Verein „Tierhilfe für Papenburg und Umgebung“ ist jetzt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück-Emsland zum Ausbildungsbetrieb ernannt worden. „Im gesamten Emsland sind wir damit das einzige Tierheim, das eine Ausbildung zum Tierpfleger anbieten darf“, freut sich Vorsitzende Bärbel Lohmann.

Über mangelnde Nachfrage kann sich das Tierheim in Surwold nicht beschweren. Zurzeit befinden sich mit Liska Lohmann und Florian Rautenberg bereits zwei Auszubildende im ersten Lehrjahr. „Bei uns liegen weitere Bewerbungen auf dem Tisch“, berichtet Liska Lohmann. „Wir würden auch gerne weitere Auszubildende einstellen, sind aber finanziell nicht auf Rosen gebettet.“ Der Verein finanziert sich ausschließlich von Spenden und Mitgliedsbeiträgen.

Bevor der 18-jährige Rautenberg die Arbeit bei den Tierschützern aufnahm, war er als Auszubildender zum Industriefeinwerkmechaniker im Einsatz. „Die Arbeit im Tierheim erfordert eine starke körperliche und seelische Belastbarkeit und ist nicht vergleichbar mit meiner vorherigen Tätigkeit“, sagt Florian Rautenberg.

Wie viele Tierfreunde machte auch der 18-Jährige vorher ein Praktikum beim Tierheim. „Wir haben zahlreiche Praktikanten im Haus. Bei der alltäglichen Arbeit mit den Tieren wird ihnen schnell bewusst, dass zur Tierpflege weitaus mehr gehört als das Streicheln von Hunden, Katzen oder Meerschweinchen“, macht Lohmann deutlich. Zurzeit betreut das Tierheim Surwold 140 Tiere jeder Art. „Wir haben noch nie in notgeratene Tiere abgelehnt. Jedes findet hier ein Zuhause, welches ihnen Zuneigung und Pflege gibt“, betont die langjährige Tierschützerin.

Sichtlich erschüttert zeigt sich Liska Lohmann über das Schicksal des zweijährigen Schäferhundrüden Vitus. Vor einer Woche nahmen die Surwolder Tierfreunde ihren einstigen Vorzeigehund wieder bei sich auf. „Vitus lebte mit 262 anderen Artgenossen in einem Einfamilienhaus in Nordrhein-Westfalen und vegetierte vor sich hin“, berichtet die Vorsitzende. Sichtlich abgemagert, zerbissen und mit Infektionen behaftet kam der Schäferhund im Tierheim an. „Für solche Fälle hab ich kein Verständnis und fordere für diese Tierquälerei harte Strafen“, unterstreicht Liska Lohmann. Zurzeit brauche Vitus viel Zuneigung. „Bei uns wird er wieder auf Vordermann gebracht.“

Fälle wie diese veranlassen die Surwolder Tierfreunde dazu, jedes Tier selbst zu neuen Besitzern zu bringen. „Wir schauen uns vor Ort die Bedingungen an und entscheiden, ob das Tier hier gut aufgehoben ist“, so Liska Lohmann. In einigen Fällen habe man die Tiere wieder mitgenommen, was dem Tierheim bereits manchen Unmut gebracht hat. „Den nehmen wir in Kauf. Die Tiere stehen bei uns eindeutig im Vordergrund“, beschreibt Liska Lohmann die Betriebsphilosophie.

Zurzeit wird am Surwolder Tierheim ein neues Hundehaus errichtet. Wegen mangelnder Gelder verschieben sich die Bauarbeiten jedoch immer weiter nach hinten. „Wir bitten jeden, der eine Spende übrig hat, um finanzielle Unterstützung“, so Liska Lohmann.

Weitere Informationen zum Tierheim Surwold am Querkanal 27 gibt es im Internet unter www.tierfreunde-surwold.de.